Elevator Pitch - gewinnend kurz präsentieren

"Erzählen Sie mal etwas über sich!" Mit diesem Satz fangen viele Vorstellungsgespräche erst so richtig an. Und viele Bewerber fangen hier auch an - zu schwitzen nämlich - weil sie sich nicht auf diese Frage vorbereitet haben. Was hier gefragt ist, ist nicht etwa eine Kurzfassung (und schon gar keine Langfassung) des Lebenslaufes von Deiner Geburt an, sondern eine Selbstpräsentation. Eine solche Präsentation solltest Du auf jeden Fall vorbereitet und eingeübt haben, so dass Du sie bei Bedarf sofort parat hast. Als Leitfaden können und sollen Dir dabei drei einfache Fragen dienen:

  • Wer bin ich?
  • Was kann ich?
  • Was will ich? 

Für diese Form der kurzen, knackigen Darstellung hat sich der Begriff "Elevator Pitch" eingebürgert. Was soll das heißen? Nun, ein Pitch ist genau das - eine Präsentation. Und dieser Pitch soll so kurz sein, dass er während einer Fahrt im Aufzug gehalten werden kann - das sind je nach Gebäudehöhe 2-3 Minuten. Und so spannend, dass der Gesprächspartner danach den dringenden Wunsch verspürt, mit Dir zusammen auszusteigen, um mehr zu erfahren. Mit einem solchen Elevator Pitch, so die Idee, hätte man dann die Chance, den zufällig mitfahrenden Geschäftsführer beispielsweise von einer zündenden Idee zu überzeugen. Oder einfach eine gewinnende Antwort auf die Frage "Was machen Sie denn so?" parat zu haben.

 

 

Für unsere Zwecke darf der Pitch ruhig etwas länger sein - rund 5 Minuten sind durchaus in Ordnung. Schließlich sind wir ja in einem Besprechungszimmer und nicht im Fahrstuhl. Aber eines muss er auf jeden Fall sein: interessant. Das erreichst Du am besten, indem Du eine Geschichte erzählt, statt Fakten herunterzurasseln. Eine Geschichte, die deutlich macht, warum Du - ja: genau DU - die richtige Besetzung für die offene Stelle bist. Und die den Personaler so weit unterhält, interessiert, fesselt, dass er mehr davon hören möchte.

 

Deine Antwort auf diese Frage entscheidet:
Warum bis genau DU die richtige Besetzung für die offene Stelle?

  

Am besten Du fängst gleich mal an. Nimm Dir ein Blatt Papier und einen Stift und schreibe Dir einen Satz auf, der Dich als Person kurz beschreibt. Wirklich nur EINEN Satz - und mit maximal einem Komma darin. Verschachtelte Ungetüme sind schwer zu verstehen und schaden hier nur. So zum Beispiel kann sich das dann anhören:

 

"Ich bin Verkaufsprofi mit 52 Jahren Lebens- und 24 Jahren Berufserfahrung im Groß- und Einzelhandel, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern." Oder, mit anderen Akzenten: "Ich bin 52, Familienvater aus Überzeugung und Verkäufer aus Leidenschaft - und das schon seit 24 Jahren."

 

Ein zweiter Satz kann weitere Informationen liefern, falls dies notwendig ist - beispielsweise bei Zuwanderern ("Ich stamme aus Litauen und lebe seit 16 Jahren in Deutschland") oder bei interessanten oder erklärungsbedürftigen Details oder Wendungen in der Biografie ("In diesen 24 Jahren habe ich alles gelernt, was es im Verkauf zu lernen gibt - deshalb war es Zeit für einen Wechsel." bei einem überraschenden Bruch im Lebenslauf).

 

Dass Du hier nur erzählst und betonst, was für Dich günstig ist und Dich interessant macht, versteht sich von selbst, oder?

 

Weiter geht es mit der Frage "Was kann ich?". Hier gilt in Abwandlung eines bekannten Sprichwortes die Devise "Eigenlob stimmt!" - denn hier ist der Ort für alle die Fähigkeiten, die Dich für die Stelle und für das Unternehmen wertvoll machen. Berufserfahrungen, persönliche Stärken, Aus- und Weiterbildungen - aus diesen Themen greifst Du heraus, was am wichtigsten ist, und präsentierst es zusammenhängend und in Kurzfassung. Falls Rückfragen zu Einzelheiten kommen (was super wäre), kannst Du diesen Punkt dann immer noch mal ausführlicher darstellen. Denke immer daran: Du liest kein Telefonbuch vor, sondern Du erzählst eine Geschichte - DEINE Geschichte! Und die mündet genau hier und genau heute in einen "Cliffhanger", ein offenes und spannendes Ende.

 

Auch hierzu ein Beispiel: statt "Ich habe meine Ausbildung als Kfz-Schlosser bei Müller & Söhne abgeschlossen, da 2 Jahren gearbeitet und bin dann zu Meier Motoren gegangen. Da war ich 7 Jahre in der Produktion. Die sind dann leider insolvent gegangen, und da war ich 8 Monate arbeitslos. Dann habe ich einen Job bei Getriebebau Schulz gefunden und da 4 Jahre gearbeitet. In der Zeit habe ich auch den Techniker gemacht. Und jetzt will ich da weg und suche einen neuen Job" sollte die Geschichte besser so lauten:

 

"Schon während der Ausbildung als Kfz-Schlosser haben mich Motoren und Getriebe besonders fasziniert. Deshalb bin ich, als sich die Möglichkeit bot, zu Meier Motoren und später zu Getriebebau Schulz gegangen, wo ich auch den Techniker machen und noch mehr über Getriebe lernen konnte. Jetzt kenne ich mich damit und besonders mit LKW-Antrieben richtig gut aus - und genau in dem Bereich will ich jetzt auch arbeiten!"

 

Klingt viel besser, oder? Der Unterschied: in Version zwei handelt der Bewerber selber - zielstrebig und selbstbewusst. Und die Handlung steuert genau da hin, wo er jetzt gerade ist: bei einem Bewerbungsgespräch für eine Technikerstelle bei einem LKW-Hersteller.

 

 

Zeige Selbstbewusstsein:
kenne und benenne Deine Schwächen (und wandle sie in Stärken um)!

 

Was jetzt noch fehlt, sind die persönlichen Stärken und Schwächen. Die hier schon zu nennen erspart Dir später die obligatorische Frage danach - und lässt das Steuer in Deiner Hand. Wie könnte das sich anhören? Beispielsweise so:

 

"Neben meinem Fachwissen ist meine größte Stärke meine Neugierde und mein Interesse an aktuellen technischen Entwicklungen. Ich bin sehr qualitätsbewusst und arbeite gerne so perfekt und fehlerfrei wie möglich. Das ist leider auch eine Schwäche: ich bin manchmal pingelig und gehe damit meinen Kollegen und Vorgesetzten auch mal auf die Nerven. Aber da ich sonst gut mit Anderen kann, kriege ich das schnell wieder hin - bisher war ich jedenfalls immer recht beliebt."

 

Idealerweise nennst Du hier Stärken, die sich auch in Deinen Zeugnissen wiederfinden - das erhöht Deine Glaubwürdigkeit. 

Sind bestimmte Fähigkeiten oder Zertifikate gefordert? Dann nenne Sie jetzt!

 

"Selbstverständlich habe ich sowohl einen Führerschein Klasse B und C als auch den Staplerschein - schließlich will ich Motoren und Getriebe ja nicht nur schrauben, sondern sie auch im Einsatz erleben! Und da ich total gerne reise, spreche ich auch ganz passabel Englisch und ein bisschen Italienisch."

 

Habe keine Scheu davor, auch Freizeitinteressen anzusprechen, wenn sie Dein Profil bereichern und Dich interessanter machen!

Kommen wir zum letzten Punkt: Was will ich. Kurz angesprochen haben wir es ja schon - jetzt noch mal zusammenfassend und mit einem klaren Wunsch an Deinen neuen Wunsch-Arbeitgeber: 

 

"Wie schon gesagt - ich will als Techniker im Bereich LKW-Antriebe arbeiten, weiter dazulernen und  beweisen, was ich alles drauf habe. Da kam mir Ihre Stellenausschreibung wie gerufen! Jetzt freue ich mich, dass ich hier bin, und darauf, bald bei Ihnen anfangen zu können."

 

Und wer mag und sich traut, der schließt mit einer Frage an den Arbeitgeber:

 

"Was meinen Sie - passt das zu Ihren Erwartungen?" oder

"So viel zu mir - was erwarten Sie denn von Ihrem neuen Mitarbeiter?".

 

Damit behältst Du - ganz Profi - die Führung im Gespräch...

 

 

Aber so weit sind wir ja noch nicht. Jetzt schreibst Du Deinen Pitch erst mal auf. Und testest Du ihn - vor dem Spiegel oder mit Anderen, die Dir eine ehrliche Rückmeldung geben. Dann korrigierst Du ihn so lange und testest ihn wieder, bis er perfekt ist und Dir leicht von den Lippen geht. Jetzt heißt es: üben, üben, üben… und dann: viel Erfolg bei Vorstellungsgespräch!

 

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